Sonnenuntergang3

Zu Tode gefürchtet ist auch halb gestorben....

Dieser weise alte Spruch - von dem ich leider nicht herausfinden konnte, welchen Ursprung er hat - ist mir in der letzen Zeit oft durch den Kopf gegangen.

In einer Zeit, in der sich Regierungen überboten haben im Shutdown unseres gewohnten Lebens. Die Medien sich überboten haben mit Horror-Meldungen über überforderte Intensivstationen in Italien und verlassene Pflegeheime in Spanien. Das alles wegen der Pandemie des 21. Jahrhunderts, verursacht durch SARS-Cov2, vulgo "das neue Coronavirus".

Hier in Österreich: Menschen, die alle Vorgaben strikt befolgen, welche, die andere anzeigen, falls sie diese nicht befolgen, solche die alles verleugnen, VerschwörungstheoretikerInnen....es gibt nichts was es nicht gibt und alle Schattierungen....

Diese Zeit bringt vieles, das in der Tiefe geschlummert, vielleicht auch gebrodelt hat, an die Oberfläche.

Ich spüre es an mir selbst, an Menschen, die mir nahe stehen. Und auch so allgemein an der Stimmung im Lande, in Europa, in der Welt.

Es gibt viele Emotionen: die im Titel beschrieben Angst, sowohl vor dem Virus, als auch vor den wirtschaftlichen Konsequenzen. Nicht zu unterschätzen ist auch manch mulmiges Gefühl ob der Einschränkungen der Zivilrechte, die plötzlich enorme Macht der Exekutive, die mitunter auch seltsame Blüten treibt.

Und dazwischen auch immer Freude, endlich mal durchatmen zu können, sich aufs Wesentliche konzentrieren zu müssen und zu können 😀

Die Schockstarre, die am Anfang bei vielen da war, löst sich schön langsam....

Es ist mir ein großes Anliegen zu diesem Zeitpunkt zu sagen:

wir alle wissen derzeit nicht, welcher der richtige Weg ist: der österreichische, der schwedische, der amerikanische. Vielleicht wissen wir es in einem halben Jahr, vielleicht nie. Vielleicht gibt es auch den hunderprozentig richtigen Weg gar nicht, wage ich mal zu behaupten 😉 und im Nachhinein glaubt man auch oft klüger zu sein...

Nachfolgend habe ich ein paar Dinge zusammengefasst, die mich dieser Tage bewegen und die ich hiermit loswerden möchte:

  1. Verschiedene Emotionen dürfen da sein, auch zur gleichen Zeit, das ist völlig normal.
  2. Angst ist nicht gut für unser Immunsystem, weshalb es wichtig ist, Methoden zu finden um mit ihr umzugehen: der erste Schritt dazu kann sein, sich nicht dauernd die News "reinzuziehen" 🙄 . Meditation hilft natürlich jedenfalls, in die Natur gehen, das "holt immer runter!" 🙂 Oder einfach nur dankbar zu sein für das was schön ist in unserem Leben und was uns täglich geschenkt wird. Dass ich von guter Ernährung viel halte, habe ich bereits in meinem letzten Blog ausführlich erläutert...
  3. Der Mensch ist zu 100 % sterblich, das war so vor Corona, während Corona und wird auch danach so sein.
  4. SARS Cov2 macht uns vorallem auch aus dem Grund Angst, weil es ein neues Virus ist, deswegen können sämtliche Vergleiche mit anderen, bereits lange bekannten Erkrankungen nur bedingt funktionieren.
  5. Die Menschheit hat gelernt mit unterschiedlichsten Krankeitserregern zu leben.  Für viele früher tödlich verlaufende Erkrankungen gibt es heute erfreulicherweise Impfungen. Die in unseren Breiten deutlich verbesserten hygienischen Bedingungen haben natürlich auch viel Positives dazu beigetragen. Und ja, es wird immer Menschen geben, die sich nicht impfen lassen.
  6. Das neue Corona Virus ist, dafür können wir ebenfalls sehr dankbar sein, lange nicht so tödlich wie andere Erreger, zum Beispiel Ebola!
  7. Bei alten Menschen mit vielen Vorerkrankungen führt SARS-Cov2 mit Abstand am häufigsten zum Tod. Eventuell können auch jüngere Menschen (mit Vorerkrankungen) daran versterben. Ja, das ist sehr tragisch, jedoch sind immer auch schon jüngere Menschen verstorben, an allen möglichen Erkrankungen oder an Unfällen.
  8. Das führt mich zum nächsten Punkt, der mir als Ärztin sehr am Herzen liegt:
  9. Es gibt nach wie vor jede Menge an Erkrankungen - außer Corona - die tödlich verlaufen können. Bei denen ist es wichtig, schnell und effizient zu reagieren, als Betroffene/r und als Ärztin. Bei aller Vorsicht, lasst uns den Blick aufs Ganze nicht aus den Augen verlieren!!!
  10. Der Schutz von Menschen, die mit an Covid 19 Erkrankten arbeiten, muss bestmöglich gewährleistet sein!

Was ich mir wünsche ist, dass wir als Menschen und als Gesellschaft aus dieser Situation lernen, dass wir offen bleiben, oder auch werden 😉 für unterschiedliche Meinungen und Zugänge. Dies ist ein wesentliches Merkmal unserer Demokratie, das ich sehr, sehr schätze!

Lasst uns auch bewusst sein, dass wir in unserer Gesellschaft Verantwortung tragen für die Schwachen. Das macht uns zu Menschen!!!

Lasst uns aber auch bewusst sein, dass es solche in unserer Mitte gibt, die nicht wissen wie es für sie und ihre Existenz weitergeht, auch das kann sich auf die Gesundheit auswirken...

Und über allem: lasst uns nicht den Humor verlieren und das Geschenk des Lebens jeden Tag aufs Neue feiern! 😆

 

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1 Kommentar

  1. Veröffentlich von Maria Radlspoeck am Mai 5, 2020 um 11:37 pm

    Liebe Barbara, vielen herzlichen Dank- du hast mir aus der Seele geschrieben! Unsicherheit / Ungewissheit macht uns Angst, was aber nicht heißen muss, dass wir erstarren ( auch wenn es eines der „Urmuster“ auf Angst ist) müssen. Den Blick immer wieder schweifen lassen, den Fokus anders einstellen – und wie du schreibst- es gibt auch Geschenke des Lebens, auch jetzt! Lass sie weiter wahrnehmen ….

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